Rückblick – Ausblick
Die guten Neuigkeiten gleich zu Beginn: Unser BNE-Projekt „Nachhaltige Kita, nachhaltige Kindertagespflege“ geht in die nächste Runde. Es wird von Anfang 2026 bis Ende 2028 erneut zum Großteil durch Engagement Global gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zusammen mit Fachkräften aus 80 Kitas und 80 Kindertagespflegepersonen gehen wir in diesem Zeitraum der Frage nach, wie sich die globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) lokal umsetzen lassen.
Damit wollen wir an den Erfolg des Vorgängerprojekts anknüpfen. Im vergangenen Durchlauf von 2023 bis 2025 konnten wir 103 Kitas und – erstmalig – 35 Kindertagespflegepersonen als „nachhaltig“ auszeichnen. Die inzwischen über 400 Praxisbeispiele der beteiligten Einrichtungen und Kindertagespflegestellen, die sich auf unserer Webseite in Rubriken sortiert finden, dienen allen Interessierten als Inspiration. Und weitere Beispiele, wie sich Nachhaltigkeit ganz einfach, spielerisch und niederschwellig im Elementarbereich umsetzen lässt, werden in den kommenden Monaten und Jahren folgen.
Außerdem freuen wir uns, dass wir die bereits ausgezeichneten Kitas und Kindertagespflegepersonen weiterhin in Vertiefungsworkshops und mit interessanten Infos zu BNE-Themen und BNE-Veranstaltungen begleiten können.
27. Januar 2027, Bild: Kita Heinrich-Brandhoff-Straße, Gelsenkirchen
Wiederwendbares Weihnachtsfenster
Im Sinne der Nachhaltigkeit habe ich dieses Jahr aus alten Kartons und Resten von Bastelpapier ein „Weihnachtsfenster“ für jedes Kind und mit jedem Kind gebastelt. Einen Karton haben wir dafür in Weihnachtspapier verpackt und an jeder Klappe mit einem Griff aus Pfeifenreiniger versehen. Das Innenleben haben wir nur locker mit Resten von Bastelpapier ausgefüllt und ebenfalls ganz locker mit kleinen Basteleien bestückt – so können Eltern und Kids die Basteleien herausnehmen und als Weihnachtsschmuck nutzen oder verschenken, und jedes Papier ist wieder mit neuer Kreativität einsetzbar. Das Fenster selbst kann zur ungefährlichen Spielzeugkiste werden ohne Kanten und Ecken. Zudem habe ich nur aus Klorollen und kleinen Fruchtkörben Elche gebaut, wobei ich in die Körbchen Gesundes gelegt habe, besser als Schoko. Das alles kam gut an bei den Eltern.
Kindertagespflege von Annemarie Böhle-Schuck, Bonn
Multitalent Boden
Wenn wir uns mit dem Thema Natur befassen, fokussieren wir uns oft auf Bäume, Gemüsepflanzen, auf Vögel, Schmetterlinge und Bienen. Es lohnt sich aber, den Blick auch mal unter die eigenen Füße zu werfen: Was für eine Oberfläche sehen und spüren wir? Was für ein Erdboden ist das und wer lebt da? Das Thema Boden lässt sich sehr gut mit Kindern bearbeiten und bietet viele spannende Forschungsfragen und wichtige Erkenntnisse, die ganz verschiedene nachhaltige Themengebiete betreffen – Bodengesundheit und Biodiversität oder Ernährung, aber auch gerechte Bodenverteilung sowie Bodenschutz. Ideen für Experimente reichen von einer Erdboden-Landkarte über Forschungen mit der Becherlupe (Artenvielfalt) bis hin zu Verrottungsexperimenten von Abfall. Auch ein Experiment zum Thema Versiegelung und Wasserspeicherung fasziniert die Kinder. Hierfür braucht es allerdings ein paar Materialien und Vorbereitungszeit (vielleicht kann ja der Bau an ein Elternteil übertragen werden?). Sind die Acrylglas-Boxen aber erst einmal bestückt, lässt sich das Experiment mit einem abgestochenen Stück Grasnarbe einfach immer wiederholen. Wir haben es mal aufgebaut und gefilmt (siehe Instagram). Übrigens: Am 5. Dezember ist Weltbodentag.
Mehr Infos:
- WILA-Versickerungsexperiment auf Instagram
- Bodengesundheit verstehen – App vom EU-Projekt „LOESS“
- Online-Kurs Geheimnisvolles Erdreich entdecken
- Experiment Erdboden-Landkarte
- Boden-Atlas 2024 der Böll-Stiftung (mit anschaulichen Grafiken)
3. Dezember 2025, Bild: WILA Bonn
Kartoffel-Projekt
Garten und Hochbeete sind bereits fester Bestandteil des Alltags. Die Kartoffel eignet sich aufgrund ihres deutlichen Wachstums und der guten Lagerung und Verarbeitungsmöglichkeiten besonders für ein Saisonprojekt.
Zu Beginn betrachten die Kinder Pflanzkartoffeln, sprechen über Augen und Keime und wählen den Pflanzort. Je nach Platz nutzen wir Beete oder Kartoffelsäcke. Die Kinder setzen die Kartoffeln in geeigneter Tiefe, bedecken sie mit Erde und gießen sie. In den folgenden Wochen beobachten sie Blätter und Blüten und lockern bei Bedarf die Erde nach. Zur Ernte graben die Kinder die Knollen behutsam aus, zählen sie, wiegen sie und sortieren sie nach Größe. In der Küche kochen wir ein einfaches Gericht wie Pellkartoffeln mit Kräutern aus dem Hochbeet. Hygiene und sichere Handhabung werden zu Beginn besprochen und begleitet.
Inklusives Montessori Kinderhaus Reichswalde e.V., Kleve
Igelrettung im Garten
Ein verletzter Igel wurde direkt vor dem Kinderhaus gefunden. Eine Erzieherin hat das Tier artgerecht in einen gepolsterten Korb gelegt und umgehend in einer Igelrettungsstation untergebracht. Die akute Situation diente als pädagogischer Ausgangspunkt, um mit den Kindern über Lebensräume, Gefahren und Schutzmaßnahmen für Igel zu sprechen.
Zunächst besprechen wir, warum Igel Ruhe und Schutz brauchen und wie Erste Hilfe bei Wildtieren aussieht. Wir sammeln gemeinsam Ideen, wie unser Garten igelfreundlicher werden kann. Anschließend richten die Kinder mit dem Team ruhige Laub und Totholzecken ein, legen eine flache Wasserstelle an und markieren Wege, die nicht betreten werden. Ein einfacher Saisonplan erinnert an Schonzeiten. Füttern erfolgt nur nach fachlicher Rücksprache der Rettungsstation.
Inklusives Montessori Kinderhaus Reichswalde e.V., Kleve
Biotop im Glas
Die Kinder bringen häufig Fundstücke aus Garten und Wald mit. Diese Neugier nutzen wir, um einen kleinen geschlossenen Lebensraum im Glas anzulegen und Veränderungen über Wochen zu beobachten.
Gemeinsam bereiten wir Schraubgläser vor und sprechen über Licht, Wasser und Luft. Die Kinder schichten eine dünne Drainage aus kleinen Steinen, darauf etwas Sand und anschließend Gartenerde. Moos und kleine, ungefährliche Pflanzen werden eingesetzt und behutsam angegossen. Die Gläser stehen hell, jedoch nicht in direkter Sonne, damit kein Hitzestau entsteht. In festen Abständen betrachten wir Kondenswasser, neues Wachstum und Veränderungen der Farben. Wir sprechen darüber, warum im geschlossenen System nur selten gegossen werden muss und weshalb Tiere im Glas nichts zu suchen haben.
Inklusives Montessori Kinderhaus Reichswalde e.V., Kleve
Partizipation als Schlüssel zur Chancengleichheit
Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch Chancengleichheit und einen achtsamen Umgang miteinander. In unserer Einrichtung hat jedes Kind unabhängig von Herkunft, Kultur oder Beeinträchtigung die gleichen Möglichkeiten, sich einzubringen und mitzubestimmen. Wir leben Partizipation in unserem Kita-Alltag. In unserer Verfassung ist die Mitbestimmung festgelegt. Basierend darauf geben wir den Kindern durch das Kitaparlament, der Kitavollversammlungen (beide Gruppen) und unserer Gruppenbesprechung (Gruppenintern) eine Stimme und sie können über Themen, Wünsche und Entscheidungen abstimmen.
So erfahren sie, dass ihre Meinung wichtig ist und sie aktiv den Alltag mitgestalten können. Damit alle Kinder an diesen Abstimmungen teilnehmen können, nutzen wir visuelle Hilfsmittel, wie Fotos und kindgerechte Abstimmungsmethoden. So wird Mitbestimmung für jedes Kind greifbar und verständlich. Durch diese gelebte Partizipation schaffen wir ein nachhaltiges Fundament für Chancengleichheit.
Kita Piepmatz, Bergheim
Unser Tauschschrank
Zur Einführung des Themas Nachhaltige Kita wurde auf einem Elternabend gemeinsam mit den Eltern entschieden, zusammen einen Tauschschrank in unserer Einrichtung zu installieren. Dank der Spende einer Familie wurde uns ein Schrank für die Umsetzung des Projekts zur Verfügung gestellt. Aus der Elternschaft erklärten sich zwei Mütter in Zusammenarbeit mit uns bereit, sich für den Schrank verantwortlich zu fühlen.
Der Tauschschrank dient dazu, den Kindern und Eltern einen bewussten Umgang von Konsum und Verzicht nahe zu bringen. Der Schrank ist für alle Familien im Eingangsbereich frei zugänglich. Hier befinden sich Spielmaterialien, Bücher und CDs, die von Zuhause mitgebracht werden und gegen ein anderes Material kostenfrei ausgetauscht werden können.
Den Kindern wird somit ein bewusster und nachhaltiger Umgang nahegebracht, in dem sie gebrauchte Materialien nicht kaufen, sondern eintauschen und wiederverwerten können.
Kita Piepmatz, Bergheim
Reaktivierung des Hochbeets
Auf dem Foto sieht man unser Hochbeet, welches wir gemeinsam mit den Kindern und Eltern reaktiviert haben. In unserem Projekt zur nachhaltigen Kita stimmen wir regelmäßig in Kita-Versammlungen mit den Kindern darüber ab, welche Gemüse, Kräuter und Obstsorten wir passend zur Jahreszeit anpflanzen möchten. Die Kinder haben ihre Wünsche im Vorfeld geäußert und haben die Möglichkeit, anhand von vorbereiteten Bildern abzustimmen, welche Gemüse, Kräuter und Obstsorten über das Jahr angepflanzt werden.
Im monatlichen Elterncafé werden die Eltern über die Wünsche der Kinder informiert. Gemeinsam mit den Eltern werden dann in einer der regelmäßigen Eltern-Kind Aktionen zum Thema Nachhaltigkeit die Setzlinge und Samen eingepflanzt. Hier sammeln die Kinder Erfahrungen, indem sie ihr Hochbeet pflegen und beobachten. Sie erleben den Prozess, wie aus der Natur Nahrungsmittel gewonnen werden. Beim gemeinsamen Frühstück und Mittagessen können sie ihr Geerntetes zubereiten und essen.
Kita Piepmatz, Bergheim
Upcycling-Modenschau – Einfälle statt Abfälle
Jeden Tag begegnen wir Müll – in der Kita, zu Hause, auf den Spielplätzen. Wir fragen uns, wieviel Müll wir eigentlich in einer Woche produzieren, und bitten unsere Eltern, gereinigten Müll mit in die Kita zu bringen. Nach einer Woche setzen wir uns zusammen und betrachten das Ergebnis. Es ist sehr viel Müll zusammengekommen! Wir wollen den Müll sortieren und ihn dann in die passende Mülltonne werfen. Aber muss man wirklich alles wegschmeißen? Oder kann man daraus noch etwas machen? Den Kindern fällt dazu vieles ein. Die Idee, die als erstes umgesetzt wird, ist eine Upcycling-Modenschau!
FABIDO Kita Bornstraße, Dortmund









